Ich hatte hier mal über die 80/20-Dissertation geschrieben und auch schon mit Leuten persönlich darüber gesprochen. Dabei bin ich zwangsläufig immer in eine Rechtfertigungshaltung gekommen, aus der ich begründen musste, dass meine Überlegungen korrekt sind. Tenor war damals: Das Arbeitsergebnis muss nur so gut sein, dass es den Zweck gerade so erfüllt. Alles darüber hinaus ist persönlich motivierter Perfektionismus und damit –zumindest für den Empfänger– in vielen Fällen Verschwendung („waste“ oder „muda“ im Toyota-Sinne).
Gunter Dück hat mal in der (sonst unsäglichen) Zeitschrift der Gesellschaft für Informatik kommentiert, dass diese „Gut genug“-Mentalität ein Problem sei, weil die Qualität dabei eigentlich doch zu stark sinkt. Er hatte es unter anderem auf irgendeine spezielle Käse-Zubereitung bezogen, die wohl durch Produktionseinsparungen (billigere Zutaten etc.) immer mehr an Geschmack verloren hätte.
Dass der Gunter da so skeptisch war, hatte mich etwas aus der Bahn geworfen. Die Bestätigung hatte ich doch schon so oft in der Praxis erlebt. Zuletzt nach der Ausarbeitung einer zehnseitigen (halbwegs) rechtskonformen Datenschutzerklärung für einem Forschungspartner, dem schließlich zwei Sätze in einer E-Mail als Legitimation reichten.
Später in einem Podcast-Interview ist er dann doch wieder auf der Seite „Good enough“: Die Europäer bauten nur High-End-Produkte, dabei sollten sie „good enough“-Produkte wie die Amerikaner entwickeln, um überhaupt mal was Innovatives auf den Markt zu bringen.
Da freute mich besonders die heutige Recherche, bei der ich auf eine schöne Grafik von Scott Ambler gestoßen bin:
Das ist wohl so ziemlich das, was ich mit meinem damaligen Beitrag ausdrücken wollte: Nach dem Optimum (Scheitelpunkt) sinkt der Wert (value), weil der Aufwand (effort) weiter zunimmt. Der kritische Volkswirt würde jetzt vielleicht noch abnehmende Erträge ins Spiel bringen und sagen: „Nanana, der Wert steigt ja noch weiter, nur eben immer weniger.“ Aber der Punkt ist ja nicht, dass es nicht besser werden kann, sondern dass das „Mehr“ für den Empfänger nicht wirklich mehr bringt. Und dann vielleicht auch nicht für einen selbst.
Es ist aber tatsächlich entscheidend, für wen man etwas anfertigt und wie dessen Bedarf aussieht. Daher sollte man unbedingt die Erwartungen des Empfängers abfragen. Oftmals verbessert man Sachen, die keinen echten Mehrwert bringen. In der Software-Entwicklung nennt man das gold-plating. Im Deutschen würde man vielleicht „Verchromung“ sagen. In jedem Fall bleibt es Zeitverschwendung.
Das führt dann auch (noch einmal) zu meinem agilen Lieblingsprinzip:
Einfachheit – die Kunst, die Menge nicht getaner Arbeit zu maximieren – ist essenziell.



