Fresse halten und andere Kernkompetenzen

Eloquent ist es, wenn man zur richtigen Zeit die richtigen Worte findet.
Sympathisch ist es, wenn man zur richtigen Zeit die Fresse hält.

Es ist ein bisschen traurig, dass wir Verschwiegenheit als Kernkompetenz ansehen müssen. Verschwiegenheit im Sinne des obigen Zitats (einfach mal nichts sagen, auch wenn einem etwas einfällt) und auch im Sinne von „Geheimnisse für sich behalten“. Beides scheint schrecklich aus der Mode gekommen zu sein.

Eine wilde Zusammenstellung weiterer aussterbender Kernkompetenzen:

  • Etwas nicht zu tun, wenn es moralisch verwerflich ist
  • Etwas nicht zu tun, wenn es offensichtlich dumm ist
  • Kopfrechnen
  • sich eine eigene Meinung bilden
  • „Nein“ sagen
  • das zu tun, was man sagt, was man tun würde
  • die automatische Rechtschreibprüfung beherzigen
  • gute Taten Anderer wertschätzen
  • die eigenen Ideale vertreten
  • sich entschuldigen

 

Gerade gut genug

Ich hatte hier mal über die 80/20-Dissertation geschrieben und auch schon mit Leuten persönlich darüber gesprochen. Dabei bin ich zwangsläufig immer in eine Rechtfertigungshaltung gekommen, aus der ich begründen musste, dass meine Überlegungen korrekt sind. Tenor war damals: Das Arbeitsergebnis muss nur so gut sein, dass es den Zweck gerade so erfüllt. Alles darüber hinaus ist persönlich motivierter Perfektionismus und damit –zumindest für den Empfänger– in vielen Fällen Verschwendung („waste“ oder „muda“ im Toyota-Sinne).

Gunter Dück hat mal in der (sonst unsäglichen) Zeitschrift der Gesellschaft für Informatik kommentiert, dass diese „Gut genug“-Mentalität ein Problem sei, weil die Qualität dabei eigentlich doch zu stark sinkt. Er hatte es unter anderem auf irgendeine spezielle Käse-Zubereitung bezogen, die wohl durch Produktionseinsparungen (billigere Zutaten etc.) immer mehr an Geschmack verloren hätte.

Dass der Gunter da so skeptisch war, hatte mich etwas aus der Bahn geworfen. Die Bestätigung hatte ich doch schon so oft in der Praxis erlebt. Zuletzt nach der Ausarbeitung einer zehnseitigen (halbwegs) rechtskonformen Datenschutzerklärung für einem Forschungspartner, dem schließlich zwei Sätze in einer E-Mail als Legitimation reichten.

Später in einem Podcast-Interview ist er dann doch wieder auf der Seite „Good enough“: Die Europäer bauten nur High-End-Produkte, dabei sollten sie „good enough“-Produkte wie die Amerikaner entwickeln, um überhaupt mal was Innovatives auf den Markt zu bringen.

Da freute mich besonders die heutige Recherche, bei der ich auf eine schöne Grafik von Scott Ambler gestoßen bin:

barelyGoodEnough

Das ist wohl so ziemlich das, was ich mit meinem damaligen Beitrag ausdrücken wollte: Nach dem Optimum (Scheitelpunkt) sinkt der Wert (value), weil der Aufwand (effort) weiter zunimmt. Der kritische Volkswirt würde jetzt vielleicht noch abnehmende Erträge ins Spiel bringen und sagen: „Nanana, der Wert steigt ja noch weiter, nur eben immer weniger.“ Aber der Punkt ist ja nicht, dass es nicht besser werden kann, sondern dass das „Mehr“ für den Empfänger nicht wirklich mehr bringt. Und dann vielleicht auch nicht für einen selbst.

Es ist aber tatsächlich entscheidend, für wen man etwas anfertigt und wie dessen Bedarf aussieht. Daher sollte man unbedingt die Erwartungen des Empfängers abfragen. Oftmals verbessert man Sachen, die keinen echten Mehrwert bringen. In der Software-Entwicklung nennt man das gold-plating. Im Deutschen würde man vielleicht „Verchromung“ sagen. In jedem Fall bleibt es Zeitverschwendung.

Das führt dann auch (noch einmal) zu meinem agilen Lieblingsprinzip:

Einfachheit – die Kunst, die Menge nicht getaner Arbeit zu maximieren – ist essenziell.

Ich war beim letzten Motörhead-Konzert und alles, was ich bekam, war dieser Blog-Eintrag

Eintrittskarte zum allerletzten Motorhead-Konzert
Die Eintrittskarte zum allerletzten Motörhead-Konzert

Abend des 10. Dezembers

Weihnachtsfeier Nummer vier von (gefühlt) neun. Ende kurz nach Mitternacht. Anschlussveranstaltung mit Tanz. Bis ungefähr vier Uhr. Das gab’s lange nicht und ist auch nur ohne Kinder möglich (was ebenfalls sehr selten passiert). Fazit: Guuute Party! Schlafen.

Morgen des 11. Dezembers 2015, gegen 11 Uhr

Anruf eines Kommilitonen aus dem Bachelor-Studium: „Wir haben eine Motörhead-Karte übrig, hast du Lust?“
„Öhm… aber… wann…wo…?“
„In acht Stunden in der Max-Schmeling-Halle.“
„Oh! Ähm… ich check kurz meine Termine und ruf zurück.“

Kalender auf. Was steht heute an? Natürlich: Eine Weihnachtsfeier! Dieses Mal vom Doktorvater, der alljährlich seine Doktoranden, Dozenten und IT-Rentner versammelt. Praktischerweise einige Stunden vor dem Konzert und auch noch in Berlin. – WIN!

Also los. Reiseplanung und Grundversorgung mit den nötigsten Nährstoffen:

Zwei Döner und ne Vanillemilch - Oder wie man es in Brandenburg nennt: "Mittagsmenü 1"
Zwei Döner und ne Vanillemilch – Oder wie man es in Brandenburg nennt: „Mittagsmenü 1“

Anreise mit Bus/Bahn/Fuß/Blabla zur Weihnachtsfeier. Einen verbindlichen Kontakt geknüpft, der offenbar zur Validierung eines Modells aus der Diss behilflich sein kann und auch noch Interview-Partner bereitstellt. (Haken hinter „Eine gute Tat für die Diss am Tag“.)

„Wo gehst du hin? – Motörhead? Mit solcher Musik kann ich nichts anfangen!“, sagt er etwas pikiert.
„Ich höre recht breit.“, sage ich noch, aber es wirkt wohl nicht so glaubwürdig.

Dann Abholung durch besagten Kommilitonen und auf zum Konzert.

Nach dem Konzert das einhellige Fazit: „Gut, dass wir ihn nochmal gesehen haben, den Lemmy.“ Meine Mitstreiter sagen sich das offenbar schon die letzten drei Jahre immer wieder. Ich bin live vor ein paar Jahren bei Rock am Ring dabei gewesen und freue mich nach dem Genuss einiger Alben heute umso mehr. Damals stand ich neben dem Technikturm mehrere hundert Meter von der Bühne entfernt und es war verdammt laut. Dieses Mal war es einige Meter vor der Bühne und es war sehr angenehm… wenn man kein Problem mit fremdem Schweiß hat.

28. Dezember 2015, gegen 7:30 Uhr

Im Radio kommt die Meldung über Lemmys Tod nach der nur zwei Tage zurückliegenden Krebsdiagnose und seinem 70. Geburtstag am 24.12.2015. Die Instant-Messaging-Gesprächsrunde überschlägt sich förmlich mit Toasts und der Frage: Was wäre, wenn er dort von der Bühne gekippt wäre? Und natürlich: War es das letzte Konzert von Motörhead? Und die Antwort lautet: Ja.

Ernsthaft? Das letzte Konzert? Allerdings!
Setlist vom letzten Motörhead-Konzert:

Setlist vom letzten Motörhead-Konzert (s. Anmerkung unten)

Und der Preis für die „Beste Ergriffene Gelegenheit 2015“ geht aaaaaan: Mich!

Einen Lemmy, bitte!

Und nun bitte noch die Petition unterschreiben, auf dass ein Glas Whiskey-Cola ab heute weltweit nur noch als „ein Lemmy“ bezeichnet werden möge. Auf Lemmy!

 

P.s. Im Beitrag versteckt sich ein Logik-Fehler. Wer ihn findet, darf ihn posten oder einfach behalten.

BAföG-Rückzahlung: Knapp daneben ist auch vorbei

Leistungsabhängiger Teilerlass des BAföGs – FAIL

Eieiei, das hat sich ja gelohnt… Beim Bachelor hat’s also nicht gereicht. Aaaaaber beim Master war ich der (erst-)beste Absolvent im Jahrgang. Da gab’s sogar ne Urkunde und Händeschütteln und alles. Aber das wäre ja zu einfach, sagt § 18b Abs. 2 BAföG: „Abschlussprüfung bis zum 31. Dezember 2012 bestanden“. Mööööp. FAIL.

Vorzeitiges Abschließen ist die zweite Möglichkeit, was zu sparen. Aber leider heißt das „vorzeitige“ Abschließen entweder zwei oder vier Monate (mit jeweils unterschiedlicher Ermäßigung) vor Ende des Prüfungszeitraums der jeweiligen Hochschule fertig geworden zu sein. Und da wird vom BAföG-Amt tatsächlich in den Prüfungsämtern der Hochschulen nachgefragt. Bäh.

Bleibt „nur“ noch die immer noch passable Ersparnis aus der vorzeitigen Rückzahlung. Also: Konto plündern und erledigt. Der Gesamt-Deal „BAföG“ bleibt natürlich trotzdem unschlagbar.
Danke, Deutschland!

„Heute löten wir uns einen!“ oder „Wie man eine E-Gitarre (nicht) repariert“

Die Klinkenbuchse an meiner E-Gitarre war schon eine ganze Weile locker. Aber nach einem Versuch, das Ganze mit ein paar Zangendrehungen wieder zu fixieren, sind nun offenbar irgendwelche Kabel locker oder abgerissen.

Im Musikladen hieß es dann beim brummenden Anspielen einiger Amps, man müsse da mal die „Masse“ wieder anlöten. – Oha. Ich wusste, dass dieser Tag kommen würde. (Dunkle Wolken ziehen auf.) – Weit weg von Zuhause, wo es immer jemanden gab, der wusste, wie man mit Kabeln und Strom umgehen muss, um nicht gegrillt in der Ecke zu liegen. Beim Bund hieß es schließlich auch immer Strom mache klein, schwarz und hässlich.

Schauen wir erstmal, ob wir das vielleicht auch so hinkriegen. Von Vorne sieht’s noch ganz gut aus:

Und hinten? – Ah, Schrauben! Schrauben sind der Hinweis für Verbraucher: Hier kannst du mal reinschauen und weißt danach ganz genau, warum du das Teil bei uns eingekauft und nicht selbst gebaut hast. – Nämlich weil du keine Ahnung hast! Und jetzt schraub das Ding einfach wieder zu und wir reden nicht weiter darüber.

Nunja… äääähhh… Wie war das noch gleich mit dem Schwein und dem Uhrwerk? Also: Unten Links ist die Buchse, in die das Gitarrenkabel von der anderen Seite reingesteckt wird. Da sieht man dann auch schon den „abben Draht“ (blau). Und ein weiteres Kabel fehlt dort auch, um da so alles stromkreislaufmäßig korrekt zu gestalten. Von nahem sieht man auch zwei Lötpunkte an dieser Buchse, an denen die Kabel vorher festgemacht gewesen sein mussten. Dann sind da noch diese vier hellen Metalldinger, die das Gegenstück zu den Drehknöpfen für Lautstärke und „Tone“ auf der Vorderseite sind. Oben rechts ist der Drei-Wege-Kippschalter, von dem das blaue Kabel kommt. Keine Ahnung, wie das funktioniert und warum das Ganze so ist wie es ist. Es muss jetzt aber irgendwie repariert werden!

Was macht die Generation Y in so einem Fall? – Googlen! Wikipedia-Artikel und Fotos haben mich erst nicht so recht weiter gebracht. So tief wollte ich hier eigentlich nicht ins Thema einsteigen. Es hat dann noch etwas gedauert, bis ich direkt nach dem Modell gesucht und ein passendes Diagramm gefunden habe:

Quelle: http://s429.photobucket.com/user/Dandaman4716/media/2h_2v_2t_3w_2pp.jpg.html

Yeah, Baby! Sieht gut aus! Okay, jetzt weiß ich wenigstens, wo welches Kabel hin muss und dass auch definitiv eins fehlt. Es scheint beim Aufmachen irgendwie verloren gegangen zu sein. Wahrscheinlich war das dieses ominöse „Masse“-Kabel, von dem der Typ im Musikladen sprach.

Nach einem kurzen Gedankenspiel, ob und wie man das Problem mit Klebeband lösen könnte, dämmerte es mir: Es muss gelötet werden!

Was braucht man eigentlich zum Löten? – Eine kurze Recherche und Erinnerungen an Papas Garage und Arbeitszimmer ergeben: Zumindest mal Lötkolben, Lötzinn und „Litze“ (= ummantelter Draht).

Ich war mir schon darüber im Klaren, dass man diese Utensilien wahrscheinlich schnell und unkompliziert im Baumarkt kriegt, hab dann aber aus Gewohnheit und Faulheit doch zwischendurch schnell online bestellt und das auch schon bereut. – Drei unterschiedliche Lieferanten, die alle natürlich noch nie was von Express-Lieferungen gehört haben. Ein Baumarktbesuch hätte hier deutlich schneller zum Erfolg geführt und wär volkswirtschaftlich und ökologisch sicherlich auch effizienter gewesen. Nunja. Lehrgeld. Auf ein dekadentes Lötzinnabsauggerät habe ich aber erstmal verzichtet.

Puh, also los. Der Lötkolben kann 200 bis 450 Grad. Bei 375 klappt es ganz gut. Das Zinn schmilzt und mit einer Zange krieg ich auch den Draht aus dem Kabel raus. Leider ist das Ding seeeehr dünn:

Da ist also ein blauer Mantel, die spinnenartigen Drähte sind wohl als Abschirmung (/ Masse?) gedacht. Dann kommt noch ein weißer Mantel mit dem Draht, den ich eigentlich für die Signalübertragung bauche.

An dem Ende ist aber auch noch verdammt viel Zinn dran. Mal heiß machen… Mh,.. ja, so geht’s. Ok. Gut. Weiter so. Und… Scheiße! Jetzt ist da so ein flüssiger Zinntropfen runtergefallen. Ok. Kurz pusten und das getrocknete Teil wieder raus da. Puh! Geschafft.

An der Anschlussstelle an der Buchse ist auch noch ziemlich viel Zinn. Das ist doch bestimmt nicht gut. Mal heiß machen und gucken, ob’s irgendwie weggeht. – Tut’s nich. Grrrrr. Jetzt bräuchte man irgendwas wie ein… ein Ding zum… ein Ding, mit dem man Lötzinn irgendwie… absaugen könnte. Hab ich jetzt aber grad nicht da. Also einfach „abschütteln“, wie die Jungs von Cubeaudio es nennen. (Danke auch für den doppeldeutigen Titel!)

Und dann: Was lange währt, wird endlich… naja… hinnehmbar:

(Man beachte das durch die zahlreichen fehlgeschlagenen Versuche stark verkürzte blaue Kabel.)

Zugeschraubt. Fertig. Irgendwann wackelt’s bestimmt wieder irgendwo auseinander, aber bis jetzt geht alles problemlos. Die rechte (graue) Hälfte meiner neuen Super-Litze hat einen vielfachen Aderquerschnitt, was aber durch die geringen Spannungen/Stromstärken hier wohl nicht so problematisch ist.

Alles funzt. Welt gerettet. I have soldered! Der Goldene Lötkolben 2015 geht an mich!

Keep on rockin‘ the free world!

Konfessionen eines Tee-Trinkers

Vor einiger Zeit hat ein Freund sein Unverständnis über die Tatsache geäußert, wie irgendjemand ohne Kaffee produktiv arbeiten könnte. Ich habe zu Jugendzeiten (klingt ganz schön lange her, wenn man es so schreibt) mal eine schlechte Erfahrung mit einem Kaffee-artigen Heißgetränk gemacht. – Es hat nicht geschmeckt, der soziale Druck war aber hoch genug, dass ich mir eine halbe Tasse davon reingeholfen habe. Im Studium habe ich dann hauptsächlich von Cola in den verschiedensten Sorten gelebt. Da gab es aber auch keinen zwingenden Schlaf-Wach-Rhythmus und Kalorienbilanz und Blutzuckerwerte waren sicherlich alles andere als optimal. Heute, im Arbeitsleben (oder so) angekommen, bin ich komplett auf Tee umgestiegen.

„Du trinkst immer noch keinen Kaffee, oder?“, hat mich meine Mama letztens gefragt. Nein, ich trinke Tee. Und bewege mich damit in der Minderheit (s. Abbildung 1) und gleichzeitig in der gesellschaftlichen Kinderecke. – Kaum ein Meeting, bei dem jemand einen heißen Tee anbieten könnte.

Abbildung 1: Tee- und Kaffeekonsum in verschiedenen Ländern (via amerinz)

Mit diesem Vorurteil kann ich heute nun hoffentlich aufräumen: Ich gieße am Tag ungefähr zwei Ein-Liter-Kannen Tee auf. Grünen Tee. Laut Tabelle landen dabei aus 400 mg Koffein aus der Trockenmasse mal einem Verringerungsfaktor von 0,85 insgesamt ca. 340 mg im Tee. Diese Menge entspricht einem Koffeinäquivalent von fünf bis sechs Tassen Kaffee á 125 ml. #boom #koffeinjunkie

Schön dabei: Ich habe sogar noch deutlich mehr Flüssigkeit zu mir genommen als der Kaffeetrinker. (Auch wenn das nicht empfohlen wird.) Zucker ist nicht notwendig und die Abhängigkeit ist offenbar genauso stark. – Toll!

Herausgefunden habe ich das, als ich über die Feiertage bei meinen (Schwieger-)Eltern zu Besuch war und dort hauptsächlich „koffeinfreier“ Tee (Früchte, Kräuter, etc.) zu haben war, den ich auch gerne trinke, mich dann aber regelmäßig über meine eigene geistige und körperliche Trägheit wunderte.

Zum Abschluss ein Tipp für Kaffeetrinker, die Gästen Tee servieren wollen oder müssen: Der törichte Versuch, heißen Tee mit kaltem Tee abzukühlen zeigt nur, dass ihr das Getränk „kindgerecht“ machen wollt. „Wer schon keinen Kaffee trinkt“, so wird man es euch andichten, „der soll sich wenigstens nicht die Fresse am Tee verbrennen.“ Aber wir Teetrinker haben auch das Recht, uns die Fresse zu verbrennen. – Egal ob Grüntee oder nicht. Außerdem fragt bei Starbucks ja auch keiner: „Noch etwas kalten Kaffee dazu?“

Ich plädiere hier für mehr Toleranz gegenüber anderen Trinkkulturen. Kurz- oder langfristige Wirkung. Hektischer Genuss zwischendurch oder stundenlanges Auskosten. Möge es auch noch so viele Unterschiede geben: Alle sollten die gegenseitigen Vorlieben akzeptieren und sich darauf einstellen. Alle haben das Recht, ihr Lieblingsgetränk vorurteilsfrei und öffentlich zu genießen. Außer natürlich Chai Latte-Trinker. Die gehören in der Hölle verbrannt.

Warum Neujahrsvorsätze scheitern und was man dagegen tun kann

Neujahrsvorsätze sind albern

Neujahrsvorsätze sind albern. Alle wissen bereits vorher, dass sich niemand daran hält. Irgendwie kommt man zu Silvester dann aber doch immer auf die Frage nach den Vorsätzen für das neue Jahr zu sprechen. Auch bei mir war es zum Jahreswechsel wieder soweit und die Top-Liste der Lieblingsvorsätze (Abnehmen, mehr Sport, Familie und Freunde…) wurde entsprechend bedient. Ich war der Spielverderber und habe gesagt, dass Neujahrsvorsätze albern sind. Warum? – Weil nichts leichter ist, als einen im Rausch zusammengestammelten Wunschtraum direkt am nächsten Tag in den Wind zu schlagen und so weiter zu machen wie bisher. – Und das völlig ohne negative Konsequenzen.

Wie es besser geht

Besser ist natürlich eine ordentliche Zieldefinition zum Beispiel mit den SMART-Kriterien (spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch, terminiert). Statt „mehr Sport treiben“ heißt es dann also: „Jeden Monat vier Mal mindestens 25 Minuten laufen gehen“. Je eindeutiger und messbarer, desto besser.

Sehr wirkungsvoll ist auch die Veröffentlichung des Ziels und der wöchentlichen/monatlichen Fortschritte. Im Beispiel oben könnte man also seine Laufstrecke auf Facebook veröffentlichen oder einem Freund per Mail senden. Als Abwandlung kann man bei Nicht-Erreichen des Ziels als Strafe auch was an PEGIDA oder sonst irgendwelche blöden Vereinigungen oder Parteien spenden.

Manch einer mag sich über den Jahreswechsel motivieren lassen, mit alten Gewohnheiten zu brechen oder sich neue anzueignen. Aber Motivation hilft maximal über den ersten Monat. Darüber hinaus helfen nur Disziplin und sozialer (/ finanzieller) Druck. Auch die Umgebung kann viel dazu beitragen: Erinnerungszettel oder Fotos am Badezimmerspiegel/Kühlschrank oder Apps, die einen an die eigenen Ziele erinnern.

Beim Tracking von Zielen über längere Zeiträume hilft eine Visualisierung. Ich habe lange Zeit meinen Desktop-Hintergrund dazu verwendet (und werde damit auch bald wieder anfangen). Kurze Erläuterung zum Bild aus dem Juni 2013:

Oben: langfristige Zeitleiste (2012-2015) mit den terminierten großen Zielen und einer kleinen Extra-Zeitleiste für das Projekt „Promotion“

Unten links 1: „Work in Progress“ – aktuelle Ziele (innerhalb der nächsten ein bis zwölf Monate abzuschließen) mit konkreten Messwerten und prozentualen Erfüllungsgraden (z. B. „2/5 Paper = 40%“), grün = abgeschlossen, grau = zurückgestellt

Unten links (kleine Boxen): Zuletzt gemessene Vitalwerte (Bio-Impedanz-Waage), Finanzen (nur prototypisch), aktuelles Buch (mehr als Erinnerung gedacht; da müssten eigentlich ein paar mehr hin)

Unten rechts: Fotos irgendeiner Katalog-Familie, um das Ganze persönlicher zu gestalten

Hintergrundbild: monatlich wechselnd aus der Auswahl vom Smashing Magazine.

Vorsätze umsetzen mit smarten Zielen und Visualisierung

Das Ganze ist nur eine Grafik, die ich händisch aktualisiere. Das geht natürlich auch (und genauer) mit einer normalen Tabellenkalkulation oder auf Papier (mein aktuelles Medium der Wahl, das aber auch seine Probleme hat). Viele aufwändige oder ungewohnte Aufgaben und Angewohnheiten lassen sich damit ansprechend und vor allem nachhaltig umsetzen. Zudem hat man es ständig vor Augen. (Wenn man seinen Desktop aufräumt.)

Fazit

Vorsätze alleine sind Nichts, solange nicht konkrete, eindeutig mess- und erreichbare Ziele daraus werden. Und obwohl man so gut wie alles messen kann, ist die häufigste Maßeinheit für Neujahrsvorsätze wohl doch das Kilogramm. Übrigens muss man für die Umsetzung dieser Tipps nicht unbedingt auf den nächsten Jahreswechsel warten. Vorsätze sind schließlich nur der bucklige und unentschlossene Verwandte eines Ziels. 
In diesem Sinne: Allen Lesern ein erfolgreiches neues Jahr!
(P.S. Dieser Beitrag ist klickoptimiert. 😉

Zwischenfazit bei 2/3 der Promotion

Ich bin mal wieder im Zug unterwegs (und damit praktisch offline) und komme daher zum Schreiben. Seit dem letzten Eintrag ist viel Zeit vergangen. Die Brandenburger schlittern mittlerweile über den Reif auf dem Bahnhofsvorplatz und zwei Drittel des geplanten Zeitraums für die Promotion sind rum.
Dass ich nichts geschrieben hätte, kann ich eigentlich nicht sagen. Aber es ist ringsherum irgendwie viel passiert, sodass einfach die Zeit fehlte, auch noch was Persönliches zu schreiben. Ich könnte jetzt allerdings auch gar nicht sagen, was denn alles so genau passiert ist. Es ist zum Teil ein Strom aus Ereignissen, der einen mitreißt und zum Teil ein selbstgesteuerter Prozess, den man vorantreibt. Solange man den Großteil beeinflussen kann, ist alles gut, denke ich (vgl. „locus of control“).

Gerade bin ich auf dem Weg zu meinem zweiten Arbeitgeber, der nach vier Monaten Bearbeitungszeit nun einen neuen Arbeitsvertrag für mich hat. Ich bin gespannt, wie lange er läuft. Ein Jahr wäre gut. [Nachtrag: Es ist tatsächlich ein ganzes Jahr geworden.]

Der Jahreswechsel ist wohl auch ein guter Zeitpunkt für eine Zäsur. Denn so langsam sollte ich die Pläne für die Arbeit konkretisieren(, die ja nun im nächsten Jahr zu Ende gebracht werden soll) und auch schon mal ein paar Wörter als Gerüst schreiben, um zu sehen, wo noch größere argumentative und mit größerem Forschungsaufwand verbundene Lücken zu füllen sind und wie das Ergebnis (ein Qualitätsmodell) denn genau aussehen soll. Ich merke langsam, wie schnell man es sich bequem machen kann, wenn man will. Dafür ist es dann aber manchmal auch schneller vorbei als man denkt. So sind hier und da WiMis in ihrem sechsten Jahr und fliegen damit erstmal per Gesetz raus.
Ich fürchte ein wenig, dass es mit den zunehmenden Projektideen und möglichen Kooperationen eng für die Diss werden könnte und ich den Titel korrigieren muss auf „Zwischenfazit bei 1/2 der Promotion“. Ab Sommer ist laut Plan nämlich schon Schicht im Schacht und wildes Schreiben bis Ende des Jahres angesagt. Das heißt, dass bis dahin möglichst auch alle aufwändigeren Analyseergebnisse erfasst oder deren Erhebung zumindest vorbereitet und terminiert sein sollten.
Die geplanten Methoden sind übrigens:
– Anwender-Umfrage
– Experten-Interviews
– Eyetracking-Studie
– kontrolliertes Experiment mit Studierenden (Software Engineering)
– Praxis-Fallstudie

Der Methodenmix sieht ein bisschen aus wie nach dem Motto „Viel hilft viel“, ist im Einzelnen aber durchaus berechtigt, um die Interessen der verschiedenen Positionen zu beleuchten.

Ein weiteres Thema kommt immer wieder hoch: Marketing. Die Vermarktung der eigenen Person und der Forschungsergebnisse ist ein häufig vernachlässigter Aspekt in der Forschung. Gerade wenn nicht „Max-Planck-Institut für Irgendwas“ draufsteht, muss man sich innerhalb der Hochschule(n), aber auch nach Außen hin möglichst effektvoll präsentieren. Ich kann hier bereits auf die ein oder andere persönliche Kompetenz zurückgreifen, was es leichter macht, hier abzuliefern. Aber mein Tag hat auch nur so-und-so viele Stunden und immer wenn man Werbetexte schreibt, forscht man nicht. Das hat aber auch die positive Seite, dass man seine Forschung immer in den gesellschaftlichen Kontext einordnen muss, was zur „Erdung“ beiträgt und dem Elfenbeinturm-Syndrom vorbeugt.

Zum Abschluss noch ein aktuelles Arbeitsergebnis: Gestern wurde ein von einem Studenten und mir gemeinschaftlich entwickeltes IT-System in den Testbetrieb geschickt. Es ist so eine Art Kundentreue-System. Wer sich unsere Campus-App runtergeladen und seinen QR-Code an der Bar des Studentenkellers gezeigt hat, bekam gestern Abend ein Freigetränk. Die Barleute hatten eine weitere App zum Scannen der Barcodes. Von 34 Anwesenden beim Quizabend haben sich mindestens elf spontan die App heruntergeladen und den Code gezeigt. Technisch lief dank WLAN alles recht reibungslos und ich bin vorsichtig optimistisch, das Ganze weiter ausbauen zu können. Fragt sich noch, wie es funktioniert, wenn die Anreize kleiner oder anderer Art sind. Jedenfalls hat es Spaß gemacht, direkt zuzuschauen, wie ein Arbeitsprodukt nützlich ist. – Ein Vorteil anwendungsnaher Forschung.

Damit liebe Grüße an alle Geisteswissenschaftler und eine schöne Weihnachtszeit!

WTF, Wi-Fi?

Gestern Abend habe ich ein lange ruhendes Projekt fortgeführt und die löchrigen Wände unserer Dachkammer verspachtelt. Zur musikalischen Untermalung nahm ich auch mein Telefon und einen kleinen Lautsprecher mit. Ich hatte schon fest damit gerechnet, meine schlecht sortierte lokale Musiksammlung vom Telefon durchzuhören und alle paar Minuten auf „Nächster Song“ zu drücken. Ein wagemutiger Hoffnungsschimmer ließ mich dann doch noch die Musikstreaming-App aufrufen und siehe da: Zwei Stunden lang perfekter Empfang! Das ist eine ganz beeindruckende Leistung, wenn man bedenkt, dass der WLAN-Router gut drei Etagen unterhalb des Dachbodens steht und ich eigentlich schon im Nebenzimmer häufiger Verbindungsabrisse habe.

Meine Vorstellung vom Abstrahlverhalten der Router-Antennen, welches offenbar völlig unabhängig von der Ausrichtung des Routers ist, habe ich hier mal skizziert: