{"id":23,"date":"2014-06-05T22:53:00","date_gmt":"2014-06-05T20:53:00","guid":{"rendered":""},"modified":"2015-09-11T09:04:40","modified_gmt":"2015-09-11T07:04:40","slug":"die-8020-dissertation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nitze-family.de\/blog\/?p=23","title":{"rendered":"Die 80\/20 Dissertation"},"content":{"rendered":"<p>Es hei\u00dft (frei nach Vilfredo Pareto), 20% des Aufwands bringen 80% des Ergebnisses. Jeder Aufwand, der dar\u00fcber hinaus investiert wird, erbringt nur geringe und dazu noch stark abnehmende Verbesserungen in Bezug auf das Resultat.<\/p>\n<p>Zum Beispiel: 20% der Kunden bringen 80% vom Gewinn. (Im Internetzeitalter dann wohl eher 2\/98 &#8211;&gt; s. Dropbox, Flickr, Open Source-Projekte etc.) Der Fokus sollte also zun\u00e4chst darauf liegen, die 20% gl\u00fccklich zu machen, die 80% des Gewinns bringen.<\/p>\n<p>Ich war bisher der Meinung, dass man bei &#8222;Dingen, die gut werden sollen&#8220;, schon auf die 100% (oder zumindest 90%) kommen sollte. Aber ich habe erfahren, dass der Mehraufwand tats\u00e4chlich selten lohnt. Der Feinschliff an irgendwelchen Arbeitsergebnissen (Pr\u00e4sentation, Abschlussbericht, Song, Software) f\u00e4llt fast nie jemandem auf. Und wenn, dann ist dessen Meinung irrelevant.<\/p>\n<p>Aber ist es nicht <b>gef\u00e4hrlich<\/b>, eine solche Herangehensweise auch bei der Doktorarbeit an den Tag zu legen? Das klingt doch nach Plagiat und Halbwahrheiten, nach wissenschaftlicher Unredlichkeit und handwerklichem Pfusch.<\/p>\n<p>Hier meine Argumente f\u00fcr die <b>&#8222;80\/20 Dissertation&#8220;<\/b>:<\/p>\n<ul>\n<li>nur das Wesentliche zu schreiben und Unwichtiges wegzulassen ist die Aufgabe des Wissenschaftlers, um das Verst\u00e4ndnis der Arbeit zu gew\u00e4hrleisten<\/li>\n<li>80\/20 zwingt dazu, die Forschungsidee (Was soll wie und warum herausgefunden werden?) extrem kondensiert darzustellen, was eine sehr klare Idee voraussetzt<\/li>\n<li>Gutachter m\u00fcssen sich nicht durch Seiten von unn\u00fctzem und ohnehin mehr als gel\u00e4ufigem Wissen qu\u00e4len<\/li>\n<li>die ersten 20% einer Literaturrecherche sollten die wichtigsten Quellen zu Tage f\u00f6rdern<\/li>\n<li>es werden keine Steuergelder f\u00fcr die ausschweifende Dokumentation bekannter Sachverhalte verballert<\/li>\n<li>es bleibt mehr Zeit f\u00fcr tats\u00e4chliche Forschung und Industrieprojekte<\/li>\n<\/ul>\n<div>Das Potenzial ist also&nbsp;f\u00fcr alle Beteiligten sehr hoch.&nbsp;<\/div>\n<div>Ich sehe dabei folgende Risiken:<\/div>\n<div>\n<ul>\n<li>Legitimationszwang gegen\u00fcber Anderen (&#8222;Du kannst doch bei der Diss nicht 80\/20 machen!&#8220;)<\/li>\n<li>Unvollst\u00e4ndigkeit: wichtige Aspekte (z. B. einzelne wichtige Quellen oder m\u00f6gliche L\u00f6sungswege) k\u00f6nnen leichter untergehen<\/li>\n<li>Tiefe: die inhaltliche Tiefe des eigenen wissenschaftlichen Beitrags k\u00f6nnte zu gering sein<\/li>\n<\/ul>\n<div>Das erste Risiko ist nur sozialer Druck, dem auszuweichen ist. Mit Unvollst\u00e4ndigkeit lebt man wohl immer. Aber allzu viele Meinungen kann und sollte man ohnehin nicht einbringen. Das verw\u00e4ssert nur die Argumentationslinie. Bleibt noch die Tiefe des eigenen Beitrags. Mh&#8230; darauf sollte man sich dann wohl konzentrieren und ein bisschen l\u00e4nger darauf herumdenken. Aber auch da gilt wahrscheinlich: 20% der Idee machen 80% des Beitrags.<\/div>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Also, ist die 80\/20 Dissertation gef\u00e4hrlich? &#8211; Ja.<br \/>Sollte man es deshalb sein lassen? &#8211; Auf keinen Fall.<\/p>\n<p><b>Update 14.07.2014:<\/b> Habe gerade in einer <a href=\"http:\/\/www.mindmeister.com\/431691269\/steve-pavlina-s-best-productivity-tips\" target=\"_blank\">MindMap mit Produktivit\u00e4tstipps<\/a>&nbsp;eine weitere Umschreibung von Pareto gefunden, die hier ganz gut passt: &#8222;Focus your energy on that critical 20%, and don&#8217;t overengineer the non-critical 80%.&#8220; &#8211; Die Wahl des Begriffs <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Overengineering\" target=\"_blank\">Overengineering<\/a> macht es eigentlich zur wertvollen Lektion: Nicht mehr als das machen, was der Kunde (a.k.a. der Pr\u00fcfer) haben will. Kein unn\u00f6tiger Perfektionismus. Oder nach Wikipedia: Das Produkt sollte &#8222;weniger nicht ben\u00f6tigte Leistungsmerkmale&#8220; aufweisen. Oder nach meinem <a href=\"http:\/\/agilemanifesto.org\/principles.html\" target=\"_blank\">Lieblingsprinzip der agilen Softwareentwicklung<\/a>: &#8222;Einfachheit &#8211; die Kunst, die Menge nicht getaner Arbeit zu maximieren &#8211; ist essenziell.&#8220;<\/p>\n<p>Daf\u00fcr muss man nat\u00fcrlich wissen, was der Kunde haben will.<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es hei\u00dft (frei nach Vilfredo Pareto), 20% des Aufwands bringen 80% des Ergebnisses. Jeder Aufwand, der dar\u00fcber hinaus investiert wird, erbringt nur geringe und dazu noch stark abnehmende Verbesserungen in Bezug auf das Resultat. Zum Beispiel: 20% der Kunden bringen 80% vom Gewinn. (Im Internetzeitalter dann wohl eher 2\/98 &#8211;&gt; s. 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