{"id":143,"date":"2016-11-09T09:03:33","date_gmt":"2016-11-09T08:03:33","guid":{"rendered":"http:\/\/nitze-family.de\/blog\/?p=143"},"modified":"2016-11-09T09:39:41","modified_gmt":"2016-11-09T08:39:41","slug":"gerade-gut-genug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nitze-family.de\/blog\/?p=143","title":{"rendered":"Gerade gut genug"},"content":{"rendered":"<p>Ich hatte hier mal \u00fcber die <a href=\"https:\/\/nitze-family.de\/blog\/?p=23\">80\/20-Dissertation<\/a> geschrieben und auch schon mit Leuten pers\u00f6nlich dar\u00fcber gesprochen. Dabei bin ich zwangsl\u00e4ufig immer in eine Rechtfertigungshaltung gekommen, aus der ich begr\u00fcnden musste, dass meine \u00dcberlegungen korrekt sind. Tenor war damals: Das Arbeitsergebnis muss nur so gut sein, dass es den Zweck gerade so erf\u00fcllt. Alles dar\u00fcber hinaus ist pers\u00f6nlich motivierter Perfektionismus und damit &#8211;zumindest f\u00fcr den Empf\u00e4nger&#8211; in vielen F\u00e4llen Verschwendung (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Toyota-Produktionssystem\" target=\"_blank\">&#8222;waste&#8220; oder &#8222;muda&#8220; im Toyota-Sinne<\/a>).<\/p>\n<p>Gunter D\u00fcck hat mal in der (sonst uns\u00e4glichen) Zeitschrift der Gesellschaft f\u00fcr Informatik\u00a0kommentiert, dass diese\u00a0&#8222;Gut genug&#8220;-Mentalit\u00e4t ein Problem sei, weil die Qualit\u00e4t dabei eigentlich doch zu stark sinkt.\u00a0Er hatte es unter anderem auf irgendeine spezielle K\u00e4se-Zubereitung bezogen, die wohl durch Produktionseinsparungen (billigere Zutaten etc.) immer mehr an Geschmack verloren h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Dass der Gunter da so skeptisch war, hatte mich etwas aus der Bahn geworfen.\u00a0Die\u00a0Best\u00e4tigung\u00a0hatte ich doch schon so oft in der Praxis erlebt. Zuletzt nach der Ausarbeitung einer zehnseitigen (halbwegs) rechtskonformen Datenschutzerkl\u00e4rung f\u00fcr\u00a0einem Forschungspartner, dem schlie\u00dflich zwei S\u00e4tze in einer E-Mail als Legitimation reichten.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter in einem Podcast-Interview ist er dann doch wieder auf der Seite &#8222;Good enough&#8220;: Die Europ\u00e4er bauten nur High-End-Produkte, dabei sollten sie &#8222;good enough&#8220;-Produkte wie die Amerikaner entwickeln, um \u00fcberhaupt mal was Innovatives auf den Markt zu bringen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/w.soundcloud.com\/player\/?url=https%3A\/\/api.soundcloud.com\/tracks\/129515255&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false&amp;visual=true\" width=\"100%\" height=\"300\" frameborder=\"no\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Da freute mich besonders die heutige Recherche, bei der ich auf eine sch\u00f6ne Grafik von <a href=\"http:\/\/agilemodeling.com\/essays\/barelyGoodEnough.html\" target=\"_blank\">Scott Ambler<\/a> gesto\u00dfen bin:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nitze-family.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/barelyGoodEnough.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-147 size-full\" src=\"https:\/\/nitze-family.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/barelyGoodEnough.gif\" alt=\"barelyGoodEnough\" width=\"658\" height=\"401\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das ist wohl so ziemlich das, was ich mit meinem damaligen Beitrag ausdr\u00fccken wollte: Nach dem Optimum (Scheitelpunkt)\u00a0sinkt der Wert (value), weil der Aufwand (effort) weiter zunimmt.\u00a0Der kritische Volkswirt w\u00fcrde jetzt vielleicht noch\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ertragsgesetz\">abnehmende Ertr\u00e4ge<\/a> ins Spiel bringen und sagen: &#8222;Nanana, der Wert steigt ja noch weiter, nur eben immer weniger.&#8220;\u00a0Aber der Punkt ist ja nicht, dass es nicht besser werden kann, sondern dass das &#8222;Mehr&#8220; f\u00fcr den Empf\u00e4nger nicht wirklich mehr bringt. Und dann vielleicht auch nicht f\u00fcr einen selbst.<\/p>\n<p>Es ist aber tats\u00e4chlich entscheidend, f\u00fcr wen man etwas anfertigt und wie dessen Bedarf aussieht. Daher sollte man unbedingt die Erwartungen des Empf\u00e4ngers abfragen. Oftmals verbessert man Sachen, die keinen echten Mehrwert bringen. In der Software-Entwicklung nennt man das <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Gold_plating_(software_engineering)\">gold-plating<\/a>. Im Deutschen w\u00fcrde man vielleicht &#8222;Verchromung&#8220; sagen. In jedem Fall bleibt es Zeitverschwendung.<\/p>\n<p>Das f\u00fchrt dann auch (noch einmal) zu meinem\u00a0<a href=\"http:\/\/agilemanifesto.org\/principles.html\">agilen Lieblingsprinzip<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Einfachheit &#8211; die Kunst, die Menge nicht getaner Arbeit zu maximieren &#8211; ist essenziell.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte hier mal \u00fcber die 80\/20-Dissertation geschrieben und auch schon mit Leuten pers\u00f6nlich dar\u00fcber gesprochen. Dabei bin ich zwangsl\u00e4ufig immer in eine Rechtfertigungshaltung gekommen, aus der ich begr\u00fcnden musste, dass meine \u00dcberlegungen korrekt sind. Tenor war damals: Das Arbeitsergebnis muss nur so gut sein, dass es den Zweck gerade so erf\u00fcllt. 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